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11. Zugspitz Ultratrail am 16./17.06.2023

Zugspitz Ultratrail 2023 - Finisher Medaille

Link: Zugspitz Ultratrail | Strecke | Höhenprofil | Marschtabelle | Teilnehmer | Ergebnisse | Ergebnis overall (pdf) | Ergebnis AK (pdf) | Urkunde | Detailergebnis
YouTube:
VP 4 Hämmermoosalm | "thekopfkino" (Min. 2:22) | "Nils Busse" (Min. 23:18)
Nach dem Ausfall des ZUT 2020 und 2021 und des blöden Termins im letzten Jahr (eine Woche vor dem KACR), wird nun der letzte abgesagte/verschobene Lauf aus der Corona-Zeit abgehakt. Am Donnerstagabend fahre ich die 730 Kilometer nach Garmisch-Partenkirchen und stelle mich mit dem Fordhotel auf den großen Parkplatz am Olympia Eissportzentrum.
Am Morgen dann ein kleines Frühstück, bevor es zur Startnummernabholung zum einige hundert Meter entfernten Kongresszentrum geht. Dann noch ein kleiner Stadtrundgang und am Nachmittag chillen im "Hotel". Für heute Abend habe ich ein paar Bedenken, denn am Nachmittag gibt es ein paar heftige Regenschauer. Hoffentlich wird die Strecke dadurch nicht zu glitschig und hoffentlich hört der Regen rechtzeitig auf, denn das braucht kein Mensch.
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Zugpitz Ultra Logo Um 21:00 Uhr mache ich mich auf den Weg zum Start am Kongresszentrum. 30 Minuten vor dem Start gibt es eine Lautsprecherdurchsage in dem Sinne, dass man unbedingt durch den Eingang am Anfang des Startbereiches gehen soll, um sich zu registrieren. Ansonsten könnte man nicht am Lauf teilnehmen oder man würde ggf. disqualifiziert werden. Ohwohl ich das kaum glauben kann, quetsche ich mich sicherheitshalber zurück. Tatsächlich, dort sind mehrere Tische aufgebaut, an denen die Pflichtausrüstung kontrolliert wird. Dagegen ist nun auch irgendwie nichts einzuwenden, nur wird dabei leider nicht kontrolliert, wer die Kontrolle durchlaufen hat und wer nicht. Dementsprechend hätte ich mir also die achso wichtige Kontrolle eigentlich ersparen können.

Pünktlich um 22:00 Uhr geht es bei top Bedingungen los. Zunächst ein Stückchen durch die Stadt, dann einige Kilometer über flaches Gelände und schon bald geht es den ersten Hügel hinauf, 550 Meter bis zum ersten Verpflegungspunkt. Dann weiter durch die Nacht. Steile Wege hinauf und hinab. Die ganze Nacht durch, bis zum höchsten Punkt des Laufes auf 2180 Metern. Irgendwann wird es doch etwas zu kalt, sodass ich meine rote Aldi Windjacke herauskramen muss und mir alte Flugzeugsocken als Handschuhersatz über die Hände ziehe.
Bei moderaten Steigungen habe ich keine Probleme, aber sobald richtig gekraxelt werden muss, habe ich wieder mein, seit einigen Jahren bekanntes Problem. Ich bekomme irgendwie schlecht genügend Luft. Nach 10-20 Höhenmetern muss ich regelmäßig anhalten, um ein paar Sekunden lang Luft zu holen. Danach geht es wieder normal weiter, bis ich kurze Zeit später erneut eine Pause einlegen muss. Und so weiter. Das kostet in der Summe viel Zeit, weshalb mir auch schon bald klar wird, dass es für mich heute nicht um sub 20 oder sub 24 Stunden geht, sondern nur um das Ankommen innerhalb des Zeitlimits von 27 Stunden. Die Western States Qualifikationszeit für die Lostrommel von 25 Stunden kann ich damit natürlich leider vergessen. Aber ok. Das ist zwar doof, aber die Chancen, einen Startplatz zugelost zu bekommen, sind ja auch sowieso sehr, sehr gering. Und wenn man einen Startplatz hätte, wären mittlerweile meine Chancen, den Western States innerhalb der Cut-Off Zeit zu finishen, auch nicht mehr so hoch.

Immer mal wieder müssen nun Schneefelder überquert werden. Das ist immer so eine Sache, denn erstens ist es dort immer ziemlich glatt und zweitens sind die Hänge mit den Schneefeldern auch oftmals recht steil. Und da ich ein glühender Verfechter der "no Stöcker" Fraktion bin, habe ich auch nichts wo ich beim Überqueren solcher Stellen Halt finden kann. Irgendwann im Morgengrauen passiert es dann. Ich rutsche aus und schlittere nach rechts über das Schneefeld weg. Ich bekomme einen Heidenschreck und denke nur noch, dass ich mich irgendwie festkrallen muss, damit das Rennen nicht schon hier für mich zu Ende ist. Nach vielleicht 10-15 Metern und 3-4 Höhenmetern kann ich mein Abrutschen stoppen. Mitstreiter auf dem Weg erkundigen sich nach meinem Befinden. Puuh! Außer ein paar Kratzern ist nichts passiert. Auf allen Vieren krieche ich zurück auf den Weg und weiter geht's.

Am 5. VP angekommen, ist das Schlimmste eigentlich schon überstanden. Die Nacht ist rum, die Kälte hat sich verzogen, 3/5 der Höhenmeter sind geschafft und nur noch 53 Kilometer liegen vor mir. Auf den nächsten 20-30 Kilometern ist die Strecke deutlich moderater. Einige breite Wege und viele recht flache Passagen laden zum Kilometerfressen ein. Das ist aber auch nötig, da ich auf den Steigungen bisher viel Zeit liegen gelassen habe.
Ich wundere mich schon seit einiger Zeit, dass ich neuerdings immer mal wieder von deutlich schnelleren Läufern und Läuferinnen überholt werde. Bin ich so viel langsamer geworden? Nein. Eigentlich nicht. Es braucht einige Zeit bis ich checke, dass das die Teilnehmer vom 68 km langen Leutasch Trail sind. Die sind um 9 Uhr im Tal, in Leutasch losgelaufen und zwischen dem 4. und 5. VP auf die "normale" Strecke gestoßen. Ein wenig beruhigter geht es weiter. Es hat auch seine Vorteile, dass nun mehr Leutchen auf der Strecke sind, denn nun findet man eher immer mal wieder jemanden, mit dem man einige Minuten labern kann, um sich die Zeit zu vertreiben. Auch motiviert es zusätzlich ein wenig, wenn man oftmals mit denjenigen noch mithalten kann, die ein paar zig Kilometer weniger in den Beinen haben.

An einem eigentlich gut laufbaren steilen Bergabstück durch einen Wald, über unebene, leicht befestigte Naturtreppen, passe ich einen Moment nicht auf. Die Stufe ist schräg, tiefer als sonst und beim Auftreten gerate ich auf einen losen Stein. Ich rutsche weg, stolpere vornüber, kann mich gerade noch so irgendwie nach links rüberretten und lande mit meiner linken Brust auf einem Felsen. Die Softflask vorne in meinem Rucksack dämpft den Aufprall. Außer ein paar weiteren Kratzern ist nichts passiert. Glück gehabt.

Die Anzahl von zehn Verpflegungspunkten auf der 111 km Strecke ist für mich vollkommen ausreichend. Nie muss ich meine dritte Reservetrinkflasche auffüllen. Mit zwei Trinkflaschen, bzw. einem Liter Flüssigkeit, komme ich immer gut von VP zu VP. Am vorletzten Verpflegungspunkt "Hochalm", knapp dreihundert Meter unterhalb des letzten hohen Gipfels der Strecke, gibt es frischen Flammkuchen. Gerne nehme ich mir ein Achtel Stückchen mit Schinken. Und dazu noch ein kleines Bananenstückchen. Das sollte für den Rest der Strecke reichen. Damit habe ich in den letzten 22 Stunden insgesamt eine 3/4 Banane, eine Tasse Hühnerbrühe, eine Gummimaus, einen salzigen Schnuller, ein Lakritzstück und ein kleines Stückchen Flammkuchen gegessen. Eine Verfettung des lieben Vatis scheint damit für den Moment ausgeschlossen zu sein.

Schon längere Zeit mache ich mir keinen Kopp mehr über ein DNF, bzw. über ein Verfehlen der Cut-Off Zeit, weshalb ich es insgesamt recht ruhig und entspannt angehen lasse. Ab und an mache ich eine kurze Pause, wenn die am Weg stehende Bank doch zu verlockend erscheint und man mal für kurze Zeit die schöne Aussicht genießen kann. Viel Zeit aufholen kann ich eh nicht und in der Zeit finishen werde ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch, sofern ich mir nicht noch irgendwo die Haxen breche.
So lasse ich es auch am 10. und letzten Verpflegungspunkt mal wieder etwas gemächlicher angehen. In aller Ruhe stärke ich mich mit einem alkoholfreien Bier, obwohl es gar nicht mal so gut schmeckt. Dann raffe ich mich auf. Irgendwann will ich ja auch mal fertig werden.
Ein paar hundert Meter später merke ich, dass ich noch 1:20 Stunden übrig habe, um doch noch unter 25 Stunden zu bleiben. Ich rechne herum. Wenn ich die nächsten zwei Kilometer und ein bisschen in 20 Minuten schaffe, was ja bergab wohl locker drin sein sollte, so habe ich noch eine Stunde für die restlichen 7 Kilometer Zeit. Verdammt! Das muss doch zu schaffen sein. Es soll doch jetzt nur noch bergab gehen. Dann muss ich mich jetzt aber zusammenreißen und darf nur noch "rennen". Keine Chillpausen mehr. Der Weg ist breit und gut laufbar. Langsam wird es dunkel. Immer mal wieder kann ich Mitstreiter überholen, aber das ist mir egal. Ich möchte ja nur versuchen, doch noch unter 25 Stunden zu bleiben. Offensichtlich haben viele Mitstreiter beim Bergablaufen ein Problem, bei mir klappt es im Moment ganz gut.
Als ich mir grade fast sicher bin, dass ich es schaffen kann, geht es wieder einen steilen Single-Trail Pfad hoch. Mist! Verdammter Mist! Damit kann ich es wohl vergessen. Ich habe wieder Atemprobleme und schwupps werde ich auch wieder von einigen Kollegen eingeholt. Ich bin ein wenig deprimiert. Dieser hoffentlich letzte Hügel ist auch bald geschafft. Es geht wieder bergab. Kann ich es doch noch schaffen?
Dann noch ein recht steiler bergab Rumpelweg. Durch losen Schotter und Sand ist es recht rutschig. Ich muss wieder vorsichtig marschieren, um nicht noch auf den letzten Metern hin zu klatschen und mir die nächsten Läufe in diesem Jahr zu versauen. Hat das jetzt die entscheidenden Sekunden gekostet, die mir am Ende fehlen werden? Wieder bin ich etwas deprimiert.

Garmisch-Partenkirchen ist erreicht. Ab jetzt ist es nur noch recht flach. An einer Abbiegung stehen ein paar Leute von der Orga und feuern die Teilnehmer an. Ich frage, wie weit es noch ist. "Zwei Kilometer." Eine ruft mir hinterher: "Nur noch 1,8 Kilometer." Das geht. Ich hoffe, dass die Angabe auch richtig ist. Vielleicht schaffe ich es doch noch? Nun geht es nur noch ein paar hundert Meter geradeaus. In der Ferne kann man schon das Ziel in der Innenstadt/am Kongresszentrum sehen. Das schaffe ich noch in der Zeit!
Dann die letzte Kreuzung über eine Hauptstraße. Mist! Die Ampel ist rot. Was passiert nun? Nein!!! Statt, dass der Verkehr kurz angehalten wird, abgesehen davon, dass eh weit und breit kein Auto zu sehen ist, zeigt ein dort sitzendes Crewmitglied an, dass man nicht weiter geradeaus laufen soll. Das war's dann wohl. Ein Wechselbad der Gefühle. Ich bin wieder ein wenig angedingst. Es geht 150 Meter nach rechts unter der Brücke durch, Treppe hoch, über die Brücke drüber, Treppe runter, 150 Meter wieder zurück. Als diese letzte Schikane auch hinter mir liegt sind es aber nun wirklich nur noch ca. 300 Meter. Ich habe noch ca. 3 Minuten Zeit. Jetzt aber hopp. Ja! Das schaffe ich doch noch!? 79 Sekunden vor der 25 Stunden Marke laufe ich durch's Ziel.
Das war spannend am Ende und wenn es gut ausgeht, um so besser. Über die Finishermedaille, die man im Ziel umgehängt bekommt, bin ich ehrlicherweise ein klein wenig enttäuscht. Eine, incl. Band, 19 Gramm schwere Leichtholzplakette mit einem Aufdruck, der für alle Strecken gleich ist, ist schon ein wenig schwach für 111 Kilometer abrackern und einer Startgebühr von mind. 159 Euro.

Im Ziel treffe ich Christian, einen alten Zelt- und Laufkumpel, u.a. vom MDS 2007, hänge noch ein wenig herum, hole mir mein Finishershirt ab, gehe im Duschanhänger auf dem Parkplatz neben dem Kongresszentrum duschen und hänge noch ein wenig bei der Zielverpflegung im Kongresszentrum herum. Dann latsche ich zurück zum Auto und bin dann auch bald "weg", da ich mittlerweile doch ein wenig kaputt bin.

Am Sonntag mache ich mich nach einem kurzen Frühstück bald auf den Weg zurück nach Osnabrück, wo ich 9 1/2 Stunden später, nach einigen unangenehmen Staus, gegen 19:30 Uhr ankomme.
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last update: 01.07.2023